Das erste Mal Stand Up Paddling – Galapagos

Stand Up Paddel Board Galapagos
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SUP – oder die Schwerkraft ist ein Hund

Ich will ehrlich sein: bis dato habe ich die Stand Up Paddler ja alle belächelt. In meinem Kopf geisterten Wörter wie Möchtegern-Surfer, Langweiler am Wasser oder auch Leute, die anscheinend im Wasser sein wollen ohne nass zu werden.

Nachdem ich für meinen letzten Tag in Puerto Ayora auf Santa Cruz noch nach Aktivitäten gesucht hatte, wurde ich beim durchs Dorf spazieren auf Stand Up Paddle Boards aufmerksam. Aha, hier kann man also einen Minikurs machen. Dauert zwei Stunden.

Wieso eigentlich nicht? Wenn es so viele begeistert, dann kann es ja nicht komplett langweilig sein. Wie bei vielen Dingen bin ich nicht wirklich unter den Ersten, die etwas ausprobiert wenn es ganz neu ist. Das dauert immer relativ lange bis etwas meine Aufmerksamkeit so sehr reizt, dass ich es versuchen muss. Oder eben wie jetzt auf den Galapagos Inseln. Mein letzter Tag und ich musste einfach Zeit totschlagen. (Das klingt hart in Zusammenhang mit diesen wundervollen Inseln, aber ich finde es immer besonders schwer die Stunden vor einem Flug sinnvoll auf Reisen zu nutzen.)

Ein Board, ein Paddel und ich

Kurz vor 6:00 in der Früh watschle ich doch etwas müde durch Puerto Ayora zum vereinbarten Treffpunkt. Die auf Anhieb liebenswerte Schweizerin Fatima radelt wenig später um die Ecke. Wie zwei langjährige Freundinnen begrüßen wir uns und holen auch gleich die beiden Boards aus dem Reisebüro in dem sie arbeitet.

Sie klärt mich über die Verschiedenheiten der beiden Boards auf. Kurz zusammengefasst für die Nicht-Experten (wie ich): das eine ist zum Aufblasen und kann im Rucksack in kleinem Format transportiert werden und das andere ist ein Board ohne Kompressionsmöglichkeit. Das Erste würde auch beim Hinfallen nicht so weh tun wie die festere Variante. Mit wie vielen blauen Flecken würde ich wohl heute im Flieger sitzen?

Stand Up Paddel Board Galapagos

Das ist wie Hundescheiße – weit weg damit

Mit genau diesen Worten beschreibt mir Fatima die korrekte Armhaltung zum Paddeln. Beiden Arme ausgestreckt vom Körper weg und nicht weiter als bis zur Hüfte ziehen. Klingt noch alles logisch und einfach.

Hast du schon andere Wassersportarten mit Paddel gemacht?“, fragt sie mich weiter. Ich zähle Rafting, Kayak, Kanu und Drachenboot auf. Bei den erste dreien schüttelt sie den Kopf und meint, dass diese Stellungen fürs Stand up Paddling (SUP) ziemlicher Mist sind, aber Drachenboot gut ist, denn auch dabei muss man die Arme durchstrecken. Zugegeben, ich kann mich an das Drachenbootpaddeln kaum noch erinnern, denn das ist schon gute zehn Jahre her.

In hohe See stechen – oder so

Im kleinen Fischerhafen von Puerto Ayora beobachten uns einige Pelikane, aber allzu interessant dürften wir ihnen nicht erscheinen, denn sie drehen sich bald wieder weg und widmen sich wichtigeren Dingen zu: schlafen und Kräfte sammeln bevor die Fischer mit vollen Netzen eintrudeln und den Abfall an sie verfüttern.

Am Board sitzend manövriere ich mich nicht gerade elegant zwischen den bunten Fischerbooten hindurch bis wir weiter draußen zwischen den Yachten und Segelschiff(ch)en ein Platzerl zum Üben finden. Anstatt mit dem Paddel wirklich Meter zu machen, drehe ich mich immer ein und effizient kann man das nicht nennen was ich da mache. Dabei sieht es bei Fatima so einfach aus – und die steht ja auch schon auf dem Board.

Erste Stehversuche – und eine kostenlose Nebenhöhlenreinigung

Fatima erklärt mir wie ich aufstehen soll:

  1. Kniend beide Hände flach aufs Brett – sieht aus wie eine Gebetsstellung
  2. die Beine dann nach vorne ziehen und dabei die gesamte Fußfläche breitbeinig aufs Brett – sieht aus als wäre man gerade auf einem dieser Stehklos
  3. Arme langsam nach oben und aufstehen – sieht aus wie jemand, der gerade etwas aufhebt
  4. stehen und paddeln – sieht aus wie stehen und paddeln

Wie das allerdings bei mir aussieht:

Die Gebetsstellung geht noch, das Stehklo auch, aber statt des Aufstehens macht es einen Platscher: Viki über Board.

Also wieder von vorne. Und wieder fliege ich ins Wasser. Und dann gleich nochmal. Und nochmal und nochmal.

Mittlerweile hat sich das extrem salzige Wasser einen Weg durch meine Nebenhöhlen gebahnt. Mhhhm. Und dabei bin ich noch kein einziges Mal länger als 2 Sekunden am Brett gestanden.

Das Gleichgewicht zu halten erscheint mir so unmöglich wie seinen Ellbogen mit der Zunge zu berühren. Denn meine Beine sind so zittrig und unsicher als würde ich gerade erst lernen zu gehen und stehen.

Ich überdenke meine Aussagen über die SUPler und muss mir eingestehen, dass es doch nicht so einfach ist.

Aber ich werde besser. Und immer länger bleibe ich am Board stehen und schaffe es auch ein paar Meter zu paddeln. Aber das salzige Meerwasser braust doch noch viel zu oft durch meine Nebenhöhlen. Und meine zittrigen Beine gewöhnen sich immer mehr an das Brett und die sanften Wellen und mein Stand wird fester.

Stand Up Paddel Board Galapagos
Sitzen geht ja noch einigermaßen gut

Achtung Hai

Als ich es wieder aufs Brett schaffe, sehe ich im klaren Wasser die Umrisse eines Haies. Aber bitte, nicht in Panik verfallen und den weißen Hai an die Wand malen. Dieser Hai ist kaum größer als eine Katze und knapp einen Meter lang. Ob es sich um einen Weiß- oder Schwarzspitzenhai gehandelt hat, kann ich nicht mehr sagen.

Ich deute Fatima, dass der Minihai uns beim Paddeln beobachtet und auch sie hat dieselbe Reaktion wie ich „Moi, ist der nicht lieb!“. (Diese Haie greifen auch niemanden an, denn mehr als einen Zehen anzuknabbern ist gar nicht drinnen. Übrigens sind Haie komplett missverstanden und zählen zu den faszinierendsten Unterwassergeschöpfen, die es gibt.)

Ich PADDLE und mache Meter

Die Sonne wird immer wärmer und die ungewollten Köpfler ins erfrischende Wasser immer weniger. Die Zeit zerrinnt wie ich in der sich aufbauenden Hitze.

Fatima schlägt vor den Rückweg zum Fischerhafen anzugehen – wer weiß wie lange ich dafür wohl brauche.

Wie durch ein Wunder zwangserfrische ich mir nur ein einziges Mal und sonst wirke ich schon wie der volle Pro. Oder auch nicht.

Stand Up Paddel Board Galapagos

Fazit

Liebe, erfahrene SUPler: ich war im Unrecht und ihr seid keine Möchtegern-Surfer oder sonstiges, was mir vor dem Minikurs im Oberkasten herumschwirrte. Ihr habt meinen Respekt. Und mein Interesse geweckt.

Auch wenns einfach aussieht, das ist es nicht. Und genau das ist das Spannende daran.
Wann ich wieder die Gelegenheit haben werde auf so einem Brett durchs Meer zu flitzen (lies: kriechen), kann ich noch nicht sagen, aber es war definitiv nicht das letzte Mal.

Infos

Schau einfach bei Fatima im Office von Galapagos Dreams Adventure vorbei und mach dir mir ihr was aus. In der Früh ist das Meer noch ruhiger, weniger Boote sind unterwegs und die Sonne noch nicht ganz so erbarmungslos.

Der Kurs mit knapp zwei Stunden kostet 65 US$.

Keep on travelling

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Viktoria Urbanek Blogger

Willkommen bei Chronic Wanderlust!

Ich bin Viki und auf meinem Blog teile ich meine Leidenschaft fürs Reisen und Tauchen.

Ich glaube nicht, dass schwere Fälle von Fernweh – auch chronisches Fernweh (= Chronic Wanderlust) genannt – geheilt, sondern nur behandelt werden können. Auf diesem Blog will dir zeigen, wie das am besten zu verwirklichen ist.

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