Was du über das Tannermoor noch nicht wusstest

Tannermoor
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Das Tannermoor in Oberösterreich gehört zu meiner großen Heimat-Entdeckung in diesem Jahr. Durch Zufall bin ich dort auf Empfehlung einer Freundin gelandet und war einfach überwältigt. Denn dieser Ort ist einfach ein Traum und unsagbar vielseitig. Wieso du dem Tannermoor unbedingt einen Besuch abstatten solltest und so manch spannende Fakten, die du wahrscheinlich noch nicht wusstest, erfährst du in diesem Blogartikel.

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Müsste ich das Tannermoor mit einem Wort beschreiben, so würde ich es als Schatzkiste bezeichnen. Und zwar eine ohne Boden. Denn genau so habe ich mich gefühlt, als mich meine Fotografen-Freundin Pia dorthin entführt hat. Nach jeder Windung des gemütlichen Wanderwegs ändert sich die Szenerie komplett und eröffnet wiederum ein Tor in eine andere Welt.

Was du über das Tannermoor im Mühlviertel noch nicht wusstest

Und nachdem ich es dort so wahnsinnig spannend und aufregend – aber auf eine absolut gemütliche Art und Weise – fand, habe ich mich in die Recherche gestürzt, um mehr über das Tannermoor zu erfahren. Das Ergebnis gibt’s hier:

Wie das Tannermoor entstanden ist

Das Tannermoor auf der Mühlviertler Alm gibt es bereits seit über 10.000 Jahren. Es entstand nach der letzten Eiszeit in einer Versumpfungswanne. In flachen Gesteinsmulden aus Granit sind durch Wollgräser die ersten Schichten des Moores entstanden. Durch das ideale Lokalklima in dieser Region entstand dann eine der größten Moorlandschaften Österreichs. 

Das Tannermoor ist nicht nur ein einziges Moor

Denn es sind sogar drei, die ineinander gewachsen sind. In der Mitte finden sich Felsinseln aus Granit mit Niedermooren. Ungewöhnlich sind die mittigen Niedermoore, denn normalerweise haben Moore an den Rändern Niedermoore, an welchen das Hochmoor ausläuft. Nicht so jedoch das Tannermoor. Statt von Grundwasser wird ein Hochmoor übrigens nur von Niederschlag bewässert und mit Nährstoffen versorgt. Das Torfmoos kann durch ein besonderes Verfahren des Ionenaustauschs diese wenigen Nährstoffe nutzen. Dadurch wird der Boden aber extrem sauer (so sauer wie Essig). Das vertragen nur wenige Pflanzenarten. 

Das Tannermoor hat einen Lehrpfad

Durchs Tannermoor führen zwei Wanderwege mit zahlreichen Infotafeln: Es gibt den kinderwagentauglichen RUBNERtrail, auf dem Kinder spielerisch das Moor entdecken können. Außerdem den etwa fünf Kilometer langen Moorrundweg TANNERtrail für Familien, Schüler und Naturinteressierte. Mehr Informationen zu den Wanderwegen erfährst du hier

Tipp: Egal auf welchem Weg ist es von Vorteil, wenn man robuste und gute Schuhe anzieht. Insbesondere wenn es gerade viel geregnet hat, dürfen es auch gerne mal Gummistiefel sein.

Baden im Tannermoor ist gut für die Gesundheit

Zudem gibt es im Tannermoor den Rubner Teich, der bereits 1838 künstlich angelegt wurde und sogar bereits an den Rändern eine leichte Moorbildung andeutet. Ursprünglich wurde er angelegt, um Schwemmholz zu befördern, heute kann man darin jedoch wunderbar baden und plantschen. Das dunkelbraune Wasser ist reich an Nährstoffen und sogenannten Huminsäuren, die bereits seit Jahrhunderten als Heilmittel gelten. Es entschlackt den Körper und stärkt Nerven, Kreislauf und Immunabwehr.

Fauna und Flora sind besonders

Ein Hochmoor, wie es das Tannermoor ist, entsteht, wenn Torfmoose in großen Polstern über den Grundwasserspiegel hinauswachsen. Torfmoose sind dabei eine bestimmte Art von Moos, die sich an die spezielle Umgebung der nährstoffarmen und sauren Böden der Moore angepasst haben. Sie haben keine Wurzeln und werden von Regenwasser genährt. 

Mit der sauren Umwelt der Moore kommen nur speziell angepasste Organismen zurecht, weshalb nur wenige Pflanzen oder Tierarten hier heimisch sind. Dazu zählen unterschiedliche Torfmoose, Beeren-Arten oder auch Moorlaufkäfer. Außerdem gibt es besondere Schmetterlingsarten, die sich der Umgebung der Moore angepasst haben: der Hochmoor-Bläuling und der Hochmoorgelbling. 

100 Hektar des 120 Hektar großen Tannermoors sind obendrein mit Latschenkiefern bedeckt, die sich in der sauren Umgebung des Moors wohlfühlen. Die Latschen (oder auch Bergkiefern) werden dabei bei Weitem nicht so groß wie herkömmliche Kiefern, sondern breiten sich strauchartig aus. Die Ausbreitung der Kiefern ist vermutlich auf die Entwässerungsversuche zurückzuführen, die auch im Tannermoor stattgefunden haben.

Neben den sauren Hochmooren gibt es im Tannermoor aber auch Niedermoore, die eine größere Vielfalt an Pflanzen und Tieren aufzuweisen haben. Sie entwickeln sich an den Rändern von Seen oder in Sumpfgebieten, wo der Wasserstand recht hoch ist. Sie wölben sich zudem im Vergleich zu Hochmooren nicht über die Umgebung empor und heißen deshalb Flachmoore.

Das Tannermoor wächst jedes Jahr

Die Pflanzen eines Moores sind eng mit dessen Entwicklung verbunden. So sind Torfmoose der Baustoff der Moore. Während oben grüne Triebe zu finden sind, stirbt der untere Teil der Pflanze ab, wird dabei aber kaum zersetzt, da es keine Bakterien und Pilze gibt, die die Kompostierung vornehmen. Somit wächst ein Hochmoor durch die abgestorbenen Moose im Jahr etwa 1 Millimeter. Durch die Tausenden von Jahre, in welchen dieser Prozess unaufhörlich wiederholt wird, gibt es teilweise Torfschichten bis zu 8 Metern in die Tiefe. 

Das Tannermoor ist ein enormer CO₂-Speicher

In den 1970er-Jahren wurde die Faszination Moor jedoch noch nicht als die Chance verstanden, die sie heute bieten. Deshalb wurde begonnen Entwässerungsgräben zu bauen und das Moor wurde geschädigtMoore wurden früher als unproduktive Flächen gesehen und mit der Trockenlegung wollte man sie land- oder forstwirtschaftlich besser nutzbar machen. Oder man hatte es auf ihr Torf als Brennmaterial oder Gartenzusatz abgesehen. Durch das Trockenlegen wird aber vermehrt CO2 freigesetzt. Die abgestorbenen Pflanzen – also das Torf – werden nämlich nur konserviert, wenn sie unter Wasser stehen. Kommt Sauerstoff dazu, wird das Material abgebaut und CO2 freigesetzt. Übrigens: Weltweit wird mehr CO2 in Mooren gespeichert als in allen Wäldern zusammen!

Naturschutz wird im Tannermoor großgeschrieben

Um einer Entweichung des gespeicherten Kohlenstoffs und des Abbaus von Torf entgegenzuwirken, ist das Tannermoor schon seit 1983 Naturschutzgebiet. Auch um dem Hochmoorlaufkäfer, einem schwarzen Laufkäfer Zuflucht zu bieten. Dieser Käfer ist noch ein Relikt aus der Eiszeit und ist zwar auch in manch anderem Moor zu Hause, besonders verbreitet jedoch im Tannermoor. 

Derzeit sind zwei Projekte im Gange, die den Lebensraum und die Biodiversität des Tannermoors wieder vollständig herstellen wollen und auch in Zukunft aufrechterhalten, damit das Moor dem Klimawandel strotzen kann. Zum einen werden bei einem Revitalisierungsprojekt 500 Spundwände und Grabenverschlüsse aus Torf aufgebaut, um das Wasser wieder zurück ins Moor zu bringen und die Entwässerungsgräben aus den 70er-Jahren zu schließen. Zum anderen wurde ein EU-Projekt ins Leben gerufen, das mit einem Lehrpfad auf die Besonderheiten des Tannermoors hinweisen soll, so erfährt man hautnah, weshalb dieses Moor es wert ist zu schützen.

Infos zum Tannermoor

Diese Schatzkiste, die das Tannermoor ist, gilt es zu schützen. Moore sind eine Welt in sich und wir dürfen sie als Gast besuchen. Mehr Infos über das Tannermoor und das Moor-Erlebnis findest du auf der Projektwebseite.


Fotocredits @ Pia Paulinec und Tannermoor Erlebnis / Mühlviertler Alm

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Viktoria Urbanek Blogger

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Chronic Wanderlust!

Ich bin Viki und auf meinem Blog teile ich meine Leidenschaft fürs Reisen und Tauchen.

Ich glaube nicht, dass schwere Fälle von Fernweh – auch chronisches Fernweh (= Chronic Wanderlust) genannt – geheilt, sondern nur behandelt werden können. Auf diesem Blog will dir zeigen, wie das am besten zu verwirklichen ist.

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