Ein Liebesbrief an Lemberg

Liebesbrief an Lemberg

Liebes Lemberg,⁣⁣

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll bei dir. Alles begann vor etwa einem Jahr, als ich zum ersten Mal irgendwo im Internet über ein Foto von dir gestolpert bin. Ich war mir sicher, dass du irgendwo ganz in der Nähe wärst und bereitete mich bereits auf eine Reise nach Tschechien vor. Wie sehr ich mich doch geirrt habe!

Dein Äußeres hat mich irregeführt und ausgetrickst. Ich liebe es, wenn ich in meinen Gedanken herausgefordert werde und mir das Gegenteil bewiesen wird. Ich wusste also, dass dies der Beginn eines großartigen Abenteuers war.

Immer wieder versuchte ich, mir Zeit für dich zu nehmen, aber das Leben kam dazwischen. Viele dunkle Augenblicke beschäftigten mich letzten Sommer. Aber ich hatte immer nur an dich gedacht. Ich war kurz davor, Flüge zu buchen, um dich persönlich zu treffen, und ich war bereit 400 € zu bezahlen, um dich zu sehen, als ich eines Tages am Hauptbahnhof in Wien deinen Namen auf der Anzeigetafel las. Hatte mich mein Verstand getäuscht?

Unverzüglich ging ich zum Schalter und erkundigte mich nach dir. Man erzählte mir von täglichen (!) Nachtzügen direkt von Wien nach Lemberg. Ich zögerte, nach dem Preis zu fragen, und wurde wieder einmal überrascht. Eine einfache Fahrkarte im Schlafwagen kostete nur 63€. Am selben Tag habe ich diese Zugtickets gebucht.

Dann im August stieg ich in einen alten sowjetischen Zug, die Böden mit alten Teppichen ausgelegt – ich war der glücklichste Mensch auf diesem Planeten. Ich bin besessen von Abenteuern, und dieses Abenteuer war eines nach meinem Geschmack. Ich konnte mich auch nicht einmal mit dem Schaffner unterhalten, denn wir sprachen keine Sprache, die der andere verstand.

Als der Zug am nächsten Tag nach 16 Stunden und zwei Grenzübertritten in Lemberg eintraf, betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben ukrainischen Boden. Ich erinnere mich lebhaft an den alten Bahnhof und wie verwirrt ich war, weil ich nichts lesen konnte.

Liebesbrief an Lemberg

In den nächsten Tagen habe ich mich mehr und mehr in dich verliebt. Als ich den Hof des verlorenen Spielzeuge entdeckte, den Schlossberg hinaufspazierte, zu viele Nachspeisen in den Kaffeehäusern aß und mich auf dem Lychakiv Friedhof fast verirrte, liebte ich das Vertrauen, das du mir durch diese Soloexpedition zurückgegeben hast. Ich hatte das sehr gebraucht, und du hast mir die Streichhölzer gegeben, um mein inneres Feuer wieder zu entfachen. Dafür werde ich dich für immer in Ehren halten, mein Liebling.

Liebes Lemberg, du warst die größte Überraschung im vergangenen Jahr, und ich bin dankbar für alles, was du bist und was du mir beigebracht hast. Ich kann es kaum erwarten, wieder in den Zug zu steigen, um dich wiederzusehen. Bis dahin, pass gut auf dich auf.

 

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